Als ich dieses Wochenende im September plante, war schon abzusehen, dass grössere Veränderungen bevorstehen. Ich war gerade von Kalifornien zurückgekommen und Verena und die Kinder haben sich in San Diego häuslich gemacht. Daher wollte ich unbedingt vor dem Wintereinbruch und vor dem Umzug ein verlängertes Wochenende in den Bergen verbringen. Der Zufall wollte es, dass Jannis zu Besuch kam, und ich auch bei der Arbeit darüber sprach.
Für mich war klar, dass ich die Gegend um den Black Tusk und Panorama Ridge im Garibaldi Provincial Park bewandern wollte. Vor allem wegen den versprochenen phantastischen Aussichten. Auch ist die Anfahrt kurz: der Black Tusk Trailhead befindet zwischen Squamisch und Whistler, nur etwa 75 Minuten von Vancouver entfernt.
Ich wusste, dass man einige Wanderungen als Eintagestouren machen konnte. Ich wollte aber unbedingt unterwegs zelten. Scott half mit dem ganzen Camping Equipment aus: ich hatte zwar ein (schweres) Zelt aus früheren Camping-Zeiten, aber Schlafsack und Kochutensilien fehlten mir.
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| Schwer beladen geht es die ersten 10km bergaufwärts. ca. 950 Höhenmeter sind zu bewältigen |
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| Der Campground am Garibaldi Lake ist unser Zuhause für 2 (kalte) Nächte |
Beim Garibaldi Lake und dem Campground angekommen, stellte sich schnell heraus, dass wir nicht die typischen Backcountry Hiker waren. Angefangen bei der Kleidung - mit Jeans war man eher ein Exot. Mein "Prachtstück" war die nigel-nagel-neue Arc'teryx Jacke. Ansonsten hatte ich keine technische Kleidung. Abgesehen von uralten Odlo Leibchen aus alten Langlauf-Zeiten.
Auch unser Menu war sehr exotisch für diese Gegend: Jannis hat zu Hause feine Chicken Wings mit Peperoni vorgekocht. Dazu kam Pasta mit Tomatensauce. Und ein Pack Bier durfte ebenfalls nicht fehlen. Allesamt "Zutaten" die sich schlecht eigneten kompakter zu packen und die viel Gewicht zu unserer bereits schweren Ladung hinzufügten. Daher erhielten wir einige erstaunte Blicke von den anderen Hikern, die um einiges gewichts-bewusster waren und ihr vorgefertigtes dehydriertes Menü aus der Packung assen. Klar, Wasser um die Mahlzeiten fertig zu kochen gab es beim See genug. Die Krönung war ein feiner Kaffee (mit frischer Milch). Wir haben schon für etwas Luxus gesorgt. Aber man konnte uns nichts vorwerfen. Schliesslich haben wir alle Zutaten selber den Berg hochgeschleppt.
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| Garibaldi Like mit der unglaublich blauen Farbe. Gespeist vom gegenüberliegenden Gletscher |
Am nächsten Morgen ging es dann richtig los. Zuerst haben wir David "verloren". Wir haben zwar abgemacht wohin wir wandern wollten. Wegen eines Missverständnisses ist er aber schon alleine los gewandert. Jannis und ich haben ihn noch eine zeitlang beim Camp gesucht. Schliesslich haben wir ihn kurz unterhalb des Black Tusk eingeholt. Zuerst ging es mal durch Nadelwald hoch auf die nächste Ebene, den Taylor Meadows. Wunderbare Felder, vollbepackt mit Blaubeeren. Richtiges Bärengebiet ;) Wir haben allerdings keine Bären oder Mountain Lions angetroffen - nur deren Spuren. Danach ging es stetig aufwärts Richtung Black Tusk. Da wir keine Kletterausrüstung dabei hatten, haben wir einen südlichen Nebengipfel in Angriff genommen, den Black Tusk S1, der einigen Spass versprach: Wir haben eine Schneewächte und ein langes Schneefeld entdeckt. Schnee vom vorherigen Winter - und das Ende September!
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| Die Meadows - richtiges Bärengebiet |
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| David vor dem Black Tusk - sieht schon richtig winterlich aus |
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| Jannis kurz vor dem ersten Gipfel, dem Black Tusk S1... |
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| Dann mit grandioser Aussicht auf den Garibaldi Lake und den gegenüberliegenden Panorama Ridge, unserem zweiten Ziel |
Dann ging es runter über das lange Schneefeld:
Der Rest der Wanderung ist schnell erzählt: Beim Abstieg vom Gipfel haben wir eine Abkürzung genommen, um nicht einen langen Umweg zurück zu den Taylor Meadows machen zu müssen. Danach ging's erneut hoch zu unserem zweiten Gipfel, dem Panorama Ridge, welcher deutlich beliebter und daher start bevölkert war. Vom ersten Gipfel aus haben wir eine erneute Abkürzung ausgemacht: ein aufgegebener Trail, der nur schwer auszumachen war. Alles wir fanden, waren Kratzspuren von Bärentatzen und verlotterte Wegweiser. Wanderer waren hier keine anzutreffen. Trotzdem haben wir es uns an der warmen Herbstsonne gemütlich gemacht und ein kurzes Nickerchen im Bärenland genossen. David haben wir dann noch ein zweites Mal verloren, diesmal mit Absicht: er konnte nicht aufhören Blaubeeren zu naschen.
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| Aussicht vom Panorama Ridge zum Mt. Garibaldi |
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| Black Tusk (vom Panorama Ridge aus) |
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| Abkürzung vom Panorama Ridge hinunter zu den Taylor Meadows |
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| "Unten" bei den Meadows angelangt - mit Büschen voller Blaubeeren |
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| Ein altes Schild gibt den Hinweis auf den alten, aufgegebenen Trail. Den mit Bärenspuren... |
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Hinweis in der Toilette beim Campground: Warum, in aller Welt, muss die Warnung in Deutsch angebracht werden? Wo doch Kanada lediglich Englisch und Französisch sprachig ist :) |
Fazit: Es war super konnte ich den Besuch von Jannis mit diesem Abenteuer verbinden. Wir haben ein unglaublich schönes Wochenende in den Bergen verbracht. Es war anstrengend, trotzdem hat es sich gelohnt. Den zweiten Tag mit total 16km und gegen 1,000 Metern Höhenunterschied mit leichtem Gepäck zu bestreiten war ein gute Idee. Gelitten hatte ich vor allem am ersten Tag unter dem schweren Rucksack. Am Schluss brachten wir noch einen ganzen Sack Lebensmittel zurück ins Tal. Soviel zu unserer Planung... Trotzdem: die Planung und die Vorfreude waren ein schöner Teil des Abenteuers.
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| Garibaldi Lake beim Sonnenuntergang |
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