Oct 28, 2017

Wochenende auf der Insel

Dank meinem Bike-Kumpel Matt kam ich im Oktober noch zu einem letzten "amazing" Backcountry Adventure in Vancouver. Kurzentschlossen planten wir ein kombiniertes Bike-Kajak-Camping Wochenende. Die Wettervorhersage war gut und Scott musste einmal mehr als Ausrüstungs-Lieferant herhalten.

Nach zwei Abfahrten am Mt. Seymour, packten wir unsere Kajaks in Deep Cove. Gegenüber dem Wander-Wochenende im Garibaldi Park, hatten wir diesmal den Vorteil, dass sich die ganze Ausrüstung mit Leichtigkeit in den voluminösen Kajaks bunkern liess.

Nach einer Stunde paddeln erreichten wir die Twin Islands. Die 3km haben meinen ungeübten Armen zugesetzt und ich war froh wieder Fuss auf festen Grund setzen zu können. Für Anfänger wie mich war das schon eine etwas wacklige Sache. Und kippen wollte ich das Kajak nicht, denn nicht die ganze Ausrüstung war in wasserdichten Säcken verpackt. Und wir haben in Deep Cove ein Beispiel gesehen, wo ein völlig durchnässter Mann von der Bootsvermietung gerettet werden musste...

Mit meinem Baumwoll-T-Shirt outete ich mich erneut als Hobbyiest. Andere Kajaker waren mit professionellen, wasserdichten Vollkörper Anzügen ausgerüstet. Allerdings konnte ich so die warme Herbstsonne besser geniessen. Und nahm etwas salziges Spritzwasser gerne in Kauf.

Weil wir ausserhalb der Saison zelteten, hatten wir (fast) die ganze Insel für uns alleine. Nur ein weiteres Pärchen (eben die vormals genannten, professionellen Kajaker) hatte bereits früher den besten Spot der Insel für sich beansprucht. 

Unsere Küche. Einfaches aber relaxtes Campieren in der totalen Abgeschiedenheit. Und die simplen Mahlzeiten schmecken hier einfach viel besser - das wissen wir ja noch vom Stossboden her
Weil die Insel so klein ist, und eine Umrundung nur etwa 20 Minuten dauert, ist man quasi zum Nichtstun verurteilt. Was gerade das Gute ist, an dieser Art Wochenend-Beschäftigung. Und obwohl es schon früh einnachtet, sind wir erst sehr spät in unsere Zelte gekrochen. Erst nachdem uns das Bier ausgegangen ist...

Abendspaziergang einmal rund um die Insel. Ein kühles Bier durfte natürlich nicht fehlen.

Am gegenüberliegenden Ufer befinden sich herrliche Wochenendhäuser, die nur auf dem Wasserweg zu erreichen sind. Auf dem darüber liegenden Hügelkamm befindet sich der anstrengende, aber lohnenswerte Diez Vistas Trail, welcher wir als Familie auch schon gewandert haben.    


Die kleinere Schwesterinsel war wegen der Flut zu Fuss nicht erreichbar. 


Prächtiger Sonnenuntergang Richtung Deep Cove

Der berühmte Morgennebel im Indian Arm zauberte mystische Stimmungen. 

Zwei Typen paddeln frühmorgens auf ihren Surfboards um die Inseln


Sep 22, 2017

Wochenende im Backcountry

Als ich dieses Wochenende im September plante, war schon abzusehen, dass grössere Veränderungen bevorstehen. Ich war gerade von Kalifornien zurückgekommen und Verena und die Kinder haben sich in San Diego häuslich gemacht. Daher wollte ich unbedingt vor dem Wintereinbruch und vor dem Umzug ein verlängertes Wochenende in den Bergen verbringen. Der Zufall wollte es, dass Jannis zu Besuch kam, und ich auch bei der Arbeit darüber sprach.

Für mich war klar, dass ich die Gegend um den Black Tusk und Panorama Ridge im Garibaldi Provincial Park bewandern wollte. Vor allem wegen den versprochenen phantastischen Aussichten. Auch ist die Anfahrt kurz: der Black Tusk Trailhead befindet zwischen Squamisch und Whistler, nur etwa 75 Minuten von Vancouver entfernt.

Ich wusste, dass man einige Wanderungen als Eintagestouren machen konnte. Ich wollte aber unbedingt unterwegs zelten. Scott half mit dem ganzen Camping Equipment aus: ich hatte zwar ein (schweres) Zelt aus früheren Camping-Zeiten, aber Schlafsack und Kochutensilien fehlten mir.

Schwer beladen geht es die ersten 10km bergaufwärts. ca. 950 Höhenmeter sind zu bewältigen 

Der Campground am Garibaldi Lake ist unser Zuhause für 2 (kalte) Nächte
Beim Garibaldi Lake und dem Campground angekommen, stellte sich schnell heraus, dass wir nicht die typischen Backcountry Hiker waren. Angefangen bei der Kleidung - mit Jeans war man eher ein Exot. Mein "Prachtstück" war die nigel-nagel-neue Arc'teryx Jacke. Ansonsten hatte ich keine technische Kleidung. Abgesehen von uralten Odlo Leibchen aus alten Langlauf-Zeiten.

Auch unser Menu war sehr exotisch für diese Gegend: Jannis hat zu Hause feine Chicken Wings mit Peperoni vorgekocht. Dazu kam Pasta mit Tomatensauce. Und ein Pack Bier durfte ebenfalls nicht fehlen. Allesamt "Zutaten" die sich schlecht eigneten kompakter zu packen und die viel Gewicht zu unserer bereits schweren Ladung hinzufügten. Daher erhielten wir einige erstaunte Blicke von den anderen Hikern, die um einiges gewichts-bewusster waren und ihr vorgefertigtes dehydriertes Menü aus der Packung assen. Klar, Wasser um die Mahlzeiten fertig zu kochen gab es beim See genug. Die Krönung war ein feiner Kaffee (mit frischer Milch). Wir haben schon für etwas Luxus gesorgt. Aber man konnte uns nichts vorwerfen. Schliesslich haben wir alle Zutaten selber den Berg hochgeschleppt.

Garibaldi Like mit der unglaublich blauen Farbe. Gespeist vom gegenüberliegenden Gletscher
Am nächsten Morgen ging es dann richtig los. Zuerst haben wir David "verloren". Wir haben zwar abgemacht wohin wir wandern wollten. Wegen eines Missverständnisses ist er aber schon alleine los gewandert. Jannis und ich haben ihn noch eine zeitlang beim Camp gesucht. Schliesslich haben wir ihn kurz unterhalb des Black Tusk eingeholt. Zuerst ging es mal durch Nadelwald hoch auf die nächste Ebene, den Taylor Meadows. Wunderbare Felder, vollbepackt mit Blaubeeren. Richtiges Bärengebiet ;) Wir haben allerdings keine Bären oder Mountain Lions angetroffen - nur deren Spuren. Danach ging es stetig aufwärts Richtung Black Tusk. Da wir keine Kletterausrüstung dabei hatten, haben wir einen südlichen Nebengipfel in Angriff genommen, den Black Tusk S1, der einigen Spass versprach: Wir haben eine Schneewächte und ein langes Schneefeld entdeckt. Schnee vom vorherigen Winter - und das Ende September!

Die Meadows - richtiges Bärengebiet
David vor dem Black Tusk - sieht schon richtig winterlich aus

Jannis kurz vor dem ersten Gipfel, dem Black Tusk S1...

Dann mit grandioser Aussicht auf den Garibaldi Lake und den gegenüberliegenden Panorama Ridge, unserem zweiten Ziel

Dann ging es runter über das lange Schneefeld:



Der Rest der Wanderung ist schnell erzählt: Beim Abstieg vom Gipfel haben wir eine Abkürzung genommen, um nicht einen langen Umweg zurück zu den Taylor Meadows machen zu müssen. Danach ging's erneut hoch zu unserem zweiten Gipfel, dem Panorama Ridge, welcher deutlich beliebter und daher start bevölkert war. Vom ersten Gipfel aus haben wir eine erneute Abkürzung ausgemacht: ein aufgegebener Trail, der nur schwer auszumachen war. Alles wir fanden, waren Kratzspuren von Bärentatzen und verlotterte Wegweiser. Wanderer waren hier keine anzutreffen. Trotzdem haben wir es uns an der warmen Herbstsonne gemütlich gemacht und ein kurzes Nickerchen im Bärenland genossen. David haben wir dann noch ein zweites Mal verloren, diesmal mit Absicht: er konnte nicht aufhören Blaubeeren zu naschen.



Aussicht vom Panorama Ridge zum Mt. Garibaldi

Black Tusk (vom Panorama Ridge aus)

Abkürzung vom Panorama Ridge hinunter zu den Taylor Meadows

"Unten" bei den Meadows angelangt - mit Büschen voller Blaubeeren

Ein altes Schild gibt den Hinweis auf den alten, aufgegebenen Trail. Den mit Bärenspuren...

Hinweis in der Toilette beim Campground:
Warum, in aller Welt, muss die Warnung in Deutsch angebracht werden?
Wo doch Kanada lediglich Englisch und Französisch sprachig ist :)
Fazit: Es war super konnte ich den Besuch von Jannis mit diesem Abenteuer verbinden. Wir haben ein unglaublich schönes Wochenende in den Bergen verbracht. Es war anstrengend, trotzdem hat es sich gelohnt. Den zweiten Tag mit total 16km und gegen 1,000 Metern Höhenunterschied mit leichtem Gepäck zu bestreiten war ein gute Idee. Gelitten hatte ich vor allem am ersten Tag unter dem schweren Rucksack. Am Schluss brachten wir noch einen ganzen Sack Lebensmittel zurück ins Tal. Soviel zu unserer Planung... Trotzdem: die Planung und die Vorfreude waren ein schöner Teil des Abenteuers.


Garibaldi Lake beim Sonnenuntergang



Aug 24, 2017

Smoke on the water

Nachdem wir ein ganzes Jahr lang "unsere" Pferde Luna, BooBoo und Louis vermisst haben, mussten wir uns noch in etwas Geduld fassen, bevor wir auf die Flying U Ranch zurück kehren konnten. Im Sommer 2016 haben Sven, Jaël und ich ein paar unvergessliche Tage auf der Ranch verbracht. Doch dieses Jahr lag die Sache anders: Schon zweimal wurde die Ranch wegen des nahen Elephant Hill Feuers von Ashcroft evakuiert. Aber auch diesmal hatten die Ranch und Pferde Glück und waren unversehrt geblieben. Allerdings mussten wir unsere geplanten Ferien noch um ein paar Tage verschieben. Dann erhielten wir den Anruf, dass die Ranch wieder öffnet und wir machten uns auf den Weg...

Mit Canadair CL-415 versuchen die Fire Fighters das Elephant Hill Feuer in den Griff zu kriegen. Der Green Lake dient als grosses Wasser Reservoir.

Zudem ist die Ranch das Zuhause von 10 Helikoptern, Besatzung und Wartungsmannschaft. Die Graspiste von John's zweimotorigem Flugzeug hinter der Ranch wird zum Heliport umfunktioniert, und dient diese als Ausgangspunkt für die Löscharbeiten    

Nach ein paar ruhigen Tagen loderte das Feuer wieder auf. Auf dem Heimweg kamen wir dem Brandherd nochmals ziemlich nahe. Um Cache Creek herum war viel Land abgebrannt. Das ganze Dorf wurde mit dem roten Feuerschutzmittel besprüht, um die Flammen zu hemmen, was ziemlich gespenstisch aussah. 

Erster Tag auf der Ranch. Es war noch ziemlich smoky. Die Ranch hatte gerade erst wieder geöffnet und wir waren die ersten Gäste seit der Evakuierung.

Verena ist zum ersten Mal auf der Flying U und freundet sich mit den "Bewohnern" an

Wiedersehen mit den Freunden, die wir ein ganzes Jahr vermissen mussten

Frühmorgens werden die Pferde von der Weide zurück in die Koppel gebracht

Und Abends, nach getaner Arbeit, geht es wieder zurück auf die Weide



Steve macht sich einen Spass daraus sein Pferd Rex als Gäste-Attraktion zu verwenden. Da wir auch die Chance kriegen alleine eine Runde auf Rex zu reiten, kriegen wir mit, was es heisst, ein gut geschultes Pferd zu reiten. Im Gegensatz zu dem "Altersheim", welches die Gäste kriegen. Man muss jedoch sagen, dass nicht alle Gäste (inklusive mir) gewohnt sind mit Pferden umzugehen. Und da wir alleine, und ohne Guide, Touren machen, ist es vielleicht besser, etwas zahmere und nicht so feurige Tiere zu haben.

Stolzes Posieren mit Rex

Sehr zum Spass von Gross und Klein stellt John wieder sein Boot für ein paar Runden "Tubing" zur Verfügung

Papa und Sven nach einer rasanten Fahrt. Allerdings hat es John nicht geschafft uns "abzuwerfen"

Unsere stylischen Cowboys und Cowgirls mit John und Nala

Ausritt am ersten Tag, als es noch kühl und regnerisch war. Diesmal geht der erste Ausritt etwas besser, nachdem wir letztes Jahr etwas Mühe hatten die Pferde zu einem Nachmittags-Ausritt zu bewegen. BooBoo hat seinen störischen Charakter behalten und Sven hat sich dann doch entschlossen auf ein anderes Pferd umzusatteln (siehe weiter unten). 

Steve bringt uns nach dem Frühstück die bereits gesattelten Pferde. Sven und Jaël helfen jeweils fleissig früh morgens noch vor dem Frühstück den Wranglern beim Bereitmachen der Pferde (wenn sie während der Schulzeit nur auch freiwillig so früh aufstehen würden). Schon nur die Pferde ruhig halten und die Sättel bringen, erspart Steve und der Crew einige Arbeit. Daher sind Sven und Jaël sehr gerne gesehene Gäste. Steve ist stolz auf sie und belohnt uns mit einem gemeinsamen Ausritt (was wir sonst bei anderen Gästen noch nie gesehen haben). 

Ausritt mit Steve auf dem Wrangler Trail, inmitten eines wunderschönen Birkenwalds


John konnte ein grosses Stück Land dazu kaufen, welches ursprünglich zur Flying U gehörte. Aber damals, als John die Flying U übernahm, wurde das Grundstück aufgeteilt und ein Streit um Wegrecht entbrannte. Mit dem neusten Landkauf hat John verstreute Landstücke wieder zusammengebracht und wir können im Galopp über die Prärie fliegen. 

Steve zeigt uns alle Details des neuen Landes. Hier übernachten jeweils die Pferde.

Der Hay Ride ist immer wieder ein Abenteuer für die Kinder

Bei Sonnenuntergang besuchen wir die Wiese, wo die Pferde übernachten

Sven am Steuer

Ganztages Ausflug mit Sack und Pack. Hier bereiten wir uns gerade darauf vor die Bahnlinie zu überqueren. Nicht dass viel Verkehr herrscht. Trotzdem rauschte gerade ein Zug vorbei, als wir uns den Geleisen näherten...

Endlose Weiten, wunderbar geeignet für einen langen Ausritt (bis das Hinterteil zu schmerzen beginnt). Nach der Mittagsrast im lauschigen Schatten einer kleinen Baumgruppe geht es zurück zur Ranch.


Wunderbare Stimmungen während der Anfahrt und Rückfahrt durch das Fraser Valley und entlang dem Thompson River:




Noch zum Titel dieses Posts: als wir auf der Ranch ankamen, hatten wir wirklich noch Rauch über dem Green Lake. Erst ein Tag danach klarte es auf und wir hatten strahlenden Sonnenschein und warme Temperaturen.