Mar 18, 2017

Der Weg ist das Ziel???

Stimmt nicht ganz für meinen Arbeitsweg. Ziel ist es schon möglichst schnell von A nach B zu kommen. Morgens ist die Auswahl noch gross: Bus, SeaBus, Auto, Fahrrad. Alle Optionen sind zeitlich gesehen fast genau gleichwertig. Abends wendet sich dann das Blatt: der Bus bleibt in East Vancouver im Stau stecken und Fahrten von über 1.5h sind schon fast die Regel. Auch die Autos benötigen deutlich länger um über eine der beiden verstopften Brücken an die North Shore zu kommen. Der SeaBus ist nicht die schnellste, aber die "stabile", wenn auch etwas teurere Option. Preislich ist auch das Auto eine Knacknuss: mit $9 pro Tag für ein Monatsabo im Parking... (man rechne) Welche Option bleibt übrig? Genau: mein geliebtes Velo ;) Tönt nach vielen "Pros". Der grösste Nachteil ist schon der Verkehr: nicht überall habe ich extra Bike Lanes oder kann ich die Hauptverkehrsachsen umfahren und bin dementsprechend dem Verkehr ausgesetzt. Dank Sommerzeit, helleren (und auch schon etwas trockeren) Tagen ist es mittlerweile wieder angenehmer mit dem Bike zu fahren. Ziel ist es heil anzukommen! Fingers crossed.

Mein Arbeitspferd nach einem schnee- und damit salzreichen Winter. Eigentlich schwarz lackiert  - aber nun mit Staub und Salz paniert. Da ist wohl eine umfassende Reinigung und Pflege angesagt... Ob die Liebe dann auch mit reibungslosem Funktionieren erwidert wird? ;)

Mar 1, 2017

Winter Abenteuer

Abenteuer in Kanada starten meist mit einer langen Anfahrt. Unsere war mit sieben Stunden von Vancouver nach Revelstoke verhältnismässig kurz. Wir trafen Leute von Minnesota (28h) und sogar von Ontario (40h), die den ganzen Weg mit dem Truck und dem Snowmobile auf der Ladefläche zurückgelegt haben, nur um ein paar Tage Abenteuer und Spass zu erleben. Aber es hat sich definitiv gelohnt! Die Schneeverhältnisse waren schlicht genial und auch das Wetter hat prima mitgespielt.

Boulder Mountain war unser gigantischer "Spielplatz"
Die kanadische "Art" Snowmobiles zu transportieren
Revy ist definitiv die Snowmobile Hochburg in BC. Und dementsprechend erfahren sind die Sledder. Mit einem Tag Erfahrung, und das erst noch vor zwölf Jahren, kann ich nicht ganz mithalten. Milde ausgedrückt. Das kriegte ich schon bei der ersten Fahrt zu spüren, wo es "nur" 20 Minuten eine Forststrasse hochgeht, um die alpine Region zu erreichen. Eine easy Fahrt. Aber: Meine Finger fühlten sich taub an und die Arme schmerzten. Das fing ja schon gut an... Natürlich entspreche ich nicht unbedingt dem Sledder Stereotyp - ich bin leicht und nicht kräftig gebaut. Aber das ist schlicht eine Ausrede. Mir mangelt es hauptsächlich an der richtigen Technik (und Erfahrung).

Die erste Pause musste "hart" verdient werden - mit mangelnder Technik ist auch eine einfache Fahrt äusserst kräfteraubend.
Die ersten zwei Tage übte ich praktisch nur, wie ich den Schlitten im tiefen Schnee steuern und kontrollieren konnte. Zu wenig Gas in einer Kurve oder am Hang und die Schwerkraft macht sich auf die 250kg (plus Fahrer) deutlich bemerkbar: Mehr als einmal kippte mein Schlitten und ich musste mich mit einem Sprung in den Tiefschnee retten. Glücklicherweise sind die Snowmobiles stabil gebaut und lassen sich gut rollen und wieder auf die Skis stellen. Auch hier eine Frage der Technik - diesmal kommt einem die Schwerkraft zu Hilfe. Ansonsten braucht es Hilfe von einem Kollegen, um die schweren Maschinen zu bewegen. Schlimmer als das Kippen ist das Feststecken - wenn man beim Start zu lange (oder zu viel) auf dem Gas bleibt und sich die Raupe tief in den Schnee eingräbt. Zweimal musste ich Hilfe anfordern, um die Raupe wieder auszugraben...

Volle Fahrt im tiefen Powder - dank Gewichtsverlagerung und viel Power kann man auch hang-aufwärts richtig "surfen"

Einem erfahrenen Sledder hat es nie genug Powder - für mich schon fast zu viel 
 
Phantastische Stimmung - nur das Röhren der Motorschlitten durchbricht die Stille...

Mark, unser Guide, DJ und Animator, hat uns super Material zur Verfügung gestellt: wir konnten eine breite Auswahl von Ski-Doos fahren, bis zum neusten 2017er Summit mit 850 ccm und 160 PS. Total overpowered für mich, aber trotzdem eine super Erfahrung. Jeder Schlitten reagiert anders aufs Gas und auch die Federung ist sehr unterschiedlich eingestellt. Erst nach dem zweiten Tag hat es bei mir "Klick" gemacht: endlich konnte ich die Maschine mit Gewichtsverlagerung steuern, ohne jedesmal mit immensem Kraftaufwand am Lenker zu reissen. Und keine Angst zu haben, dass die Maschine gleich nach innen kippt. Nun war es relativ einfach möglich auf einem Ski zu surfen, engere Kurven mit höheren Tempi zu fahren und wie beim Carven tiefer runter zu liegen und richtig im Schnee zu gleiten. Mit dieser Technik und der entsprechenden Gewichtsverlagerung war es möglich am Hang zu fahren und die Maschine auf Kurs zu halten, während ich vorher immer abbrechen und wieder den Hang abwärts fahren musste.

Am meisten Spass macht es voll Gas einen Powder-Hang hinauf zu rasen. Mit etwas Tempo lässt sich die Maschine fast kraftlos und nur durch Gewichtsverlagerung steuern.

Stefan hat den Kickstart geübt, sich zu fest auf die Seite gelehnt und die Maschine abgelegt - nichts passiert ;)
Marcel in voller Action
Das geniale an Revelstoke ist, dass es fast jede Nacht ein paar Zentimeter schneit. Zweimal hatten wir Glück und oben in den Bergen je über einen halben Meter Neuschnee erhalten. Ohne dass das Lawinenrisiko deutlich anstieg. Weil Boulder Mountain ein sehr grosses Gebiet, mit mehreren gefrorenen Seen ist, konnten wir immer wieder weiter fahren und in neue, unberührte Gebiete eintauchen. Die Snowmobiles glitten fast ohne Kraftaufwand durch den lockeren Neuschnee, der in alle Richtungen stiebte. Hang-abwärts fuhr man oft komplett blind, weil man von einer grossen Ladung Schnee getroffen wurde, die man zuerst wieder abschütteln musste.

Mark, unser Guide. Extrem erfahren und vermutlich der beste Fahrer "in town"

Mark meinte, gegenüber einem "normalen" Winter fehlten zwei Meter Schnee. Ich hatte das Gefühl, dass es auch so immer noch massiv viel Schnee hatte.

Wunderbare Abendstimmung auf dem höchsten Punkt. Dank Scheinwerfern konnten wir auch locker in der Dämmerung runter ins Tal fahren.

Über Nacht hat es fast einen Meter Schnee gegeben. Nach jeder Fahrt waren wir komplett in Schnee gehüllt.