Ich hab jetzt schon zu einigen Themen geschrieben und es gäbe noch so viel mehr zu erzählen. Wirklich! Ich könnte über den Verkehr berichten, Recycling, noch mehr über's Essen oder Bikeberichte. Hmm... Vielleicht ein anderes Mal. Aber heute kommt mal was ganz anderes:
Warum so viele Leute nach Vancouver kommen (und nicht mehr zurück gehen).
Und dies soll nicht einfach ein "10 Reasons to Move to Vancouver" Blogpost sein. Denn davon gibt es genügend... ;-)
Eine der Fragen, die uns sehr oft gestellt wird, ist: "In der Schweiz (Sweden, right?) ist es doch so schön. Warum verlässt ihr diesen vertrauten, sicheren Platz und kommt ausgerechnet nach Vancouver?". Natürlich haben wir unsere Gründe: ein tolles Job-Angebot, die englische Sprache, eine andere Kultur, die aufregende & vibrierende Stadt, viele tolle Biketrails usw.
Ich hab dann angefangen zurückzufragen, warum denn sie nach Vancouver gekommen sind und nach Jahren immer noch hier leben.
Ich will es nicht technisch machen, aber es gibt einen grossen Unterschied zwischen (1) Kanadiern und (2) Immigranten.
(1) Wir haben bisher echt sehr wenige Kanadier kennen gelernt, welche in Vancouver aufgewachsen sind und ihr Leben hier verbracht haben. Ok, da gibt es Ryan, unseren Property Manager und Paul unseren direkten Nachbarn. Und ein paar Leute in der Firma... Aber die meisten Kanadier, die ich kennengelernt habe, kommen aus Alberta oder Ontario und wollen einfach ein angenehmeres Klima. Die Winter dort müssen anscheinend ganz unangenehm kalt sein. Da ist Vancouver ein richtiger inner-kanadischer Lichtblick. Trotz der intensiven Regenzeit zwischen November und März. Aber das Wetter kann doch noch nicht der alleinige Grund sein, um Familie und Freunde zurückzulassen, oder?
(2) Und dann kommen eben alle anderen Nationen und Ethnien: viele Briten, Asiaten und Russen. Aber interessanterweise relativ wenige Zentraleuropäer. Das wurde mir übrigens auch von unserem HR bestätigt: Deutsche, Schweizer und Franzosen lassen sich kaum zu einem Umzug bewegen. Das muss wohl mit dem hohen Lebensstandard, guten Jobs, der Sicherheit in den Ursprungsländern und der Zufriedenheit in ihrer Heimat zusammenhängen. Briten haben es hier ganz sicher schon mal der Sprache wegen etwas einfacher. Aber sonst? Ist es der hohe Lebensstandard? Eine boomende City?
[Klammer auf: Ok, jetzt wir schon fast bei den
"10 Besten Gründen...". Klammer zu]
Ganz unabhängig von der Herkunft beklagen sich die meisten Leute, dass es hier generell zu teuer sei (Wohnungen, Essen, Autoversicherung, Rückflüge in die Heimat, ...). Aber trotzdem scheint man diese finanzielle Hürde meistern (oder einfach akzeptieren?) zu können. Sicher ist auch, dass die Mentalität der Leute nicht ganz so offen und locker ist wie in - sagen wir mal - Südkalifornien. Wenn man sich dann mal etwas besser kennt, wird das
Klima auch viel kollegialer und entspannter. Aber spontane Einladungen zu Nachtessen bei Erstkontakten gibt es hier definitiv seltener als im warmen Süden ;-)
Aber es muss doch noch weitere, persönlichere Gründe geben, dass die Leute bleiben, oder? Beispielsweise Jan, vom Büro, ist alleine von Südafrika zum Studieren nach Vancouver gekommen - und geblieben. Piers aus England, mit dem ich mich ab und zu zum Biken treffe: wegen der damaligen Freundin gekommen, längst getrennt - und doch geblieben. Scott, ein Waldorf-School-Familienvater aus Alberta, der Skifahren und Biken liebt: geblieben.
Ich kann definitiv nicht für die anderen Einwanderer sprechen. Ich denke es ist eine Mischung aus vielen einfachen Faktoren (eben die
10,
20 oder
26 Reasons...) und sehr komplexen Faktoren wie Freundschaft, Beziehungen und Familie welche insgesamt den Ausschlag geben, warum es sich lohnt hier zu bleiben. Respektive die Hürde zu gross ist, zurückzukehren. Oder ist es ganz einfach das Wohlsein und die Bequemlichkeit, welche nach einer gewissen Zeit Einzug hält?
Ich muss diesen Post leider mit vielen unbeantworteten Fragen beenden. Denn wir sind definitiv noch zu neu hier. Alles ist immer noch so "excited". Da kommen noch keine Gedanken an eine Rückkehr...
Und ich wiederhole mich: Warten wir mal ab. Vielleicht ändern sich meine Meinung und meine Gewohnheiten wieder ;-)
PS: Falls wir in 1 oder 2 Jahren immer noch in Vancouver leben, erinnert mich doch bitte daran, diese Frage aus einer persönlichen Perspektive zu beantworten :-)